Artikel in der Zeitung PNN ( Potsdamer Neueste Nachrichten)

Posted: October 9, 2011 in Deutsch, Wanderlust
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Orginal erschien am 06.10.2011 auf Seite 12 in der PNN

Ein Jahr in Japan leben! Diesen Traum habe ich schon, seit ich mich nach einem zweiwöchigen Deutsch-Japanischen Austausch in das Land verliebt habe. Es war nicht nur die Verbindung zwischen Tradition und Moderne, die von so vielen Reiseführern und Japan-Büchern beschrieben wird, sondern es war der tiefe Respekt gegenüber den Mitmenschen, der mich an Japan und seinen Bewohnern so begeistert hat. Nach ein, zwei fehlgeschlagenen Versuchen habe ich es nun endlich geschafft: Seit drei Wochen lebe ich in Tokio, der größten Metropole der Welt.

Meine erste Woche war wie ein Sprung ins kalte Wasser. Ich wurde zwar vom Flughafen abgeholt und bis in mein Studentenheim begleitet, aber das war’s. Das offizielle Programm der Waseda Universität, an der ich für ein Jahr Internationale Beziehungen studiere, sollte erst in fünf Tagen beginnen. Zum Glück hatte ich schon ein paar japanische Freunde, die ganz in der Nähe wohnten und mir alles zeigen wollten. Selbst die einfachsten Dinge, wie einkaufen oder nach dem Weg fragen, fallen einem schwer, wenn man die Sprache nicht vernünftig sprechen geschweige denn irgendetwas lesen kann.

In Japan ist es jedoch nicht nur wichtig, dass man die Sprache einigermaßen beherrscht, sondern es ist fast genauso wichtig, dass man das System versteht. Essstäbchen niemals in die Reisschüssel hinein stecken, sondern oben auf den Rand legen, ansonsten erntet man entrüstete Blicke. In der Disko dürfen sich nur Frauen auf die Stühle setzen, weil ich das jedoch nicht wusste, wäre ich beinahe rausgeschmissen worden. Und wenn man Kopien an meiner Universität machen möchte, muss man nicht nur den sich täglich ändernden Computerraumplan verinnerlichen, sondern auch sein eigenes Papier mitbringen. Es hat mich fast zwei Stunden Zeit gekostet, ehe ich meine erste Seite kopieren konnte.

Nach drei Wochen hat sich langsam eine gewisse Normalität in das tägliche Leben gemischt. Ich erlebe jede Woche ein bis zwei kleine Erdbeben, wobei man nie genau weiß, ob es wirklich ein Erdbeben ist oder nur eine Bahn, die unter den Füßen langfährt. Ich fange langsam an, Gespräche auf Japanisch zu führen, die über das Nennen meines Namens und der darauf folgenden Stille hinausgehen. Ich verlaufe mich nicht mehr auf dem Campus, habe ein Lieblingsrestaurant und viele Freunde, mit denen ich abends etwas unternehme.

Während ich zum einen das Gefühl habe, dass ich mit jedem Tag die japanische Mentalität und das japanische System ein bisschen besser verstehe, fühlt es sich auf der anderen Seite auch so an, als wenn man gerade in eine ganz neue Welt eintaucht. Eine Welt, die viel zu groß ist, als dass man sie auf Anhieb begreifen könnte. Ich habe noch fast ein ganzes Jahr vor mir. Viel Zeit also, um die japanische Kultur genauer unter die Lupe zu nehmen. Auf meinem Blog http://www.globalechos.wordpress.com zeige ich Fotos und schreibe kleine Berichte über Japan.

Jan Tzschichhold ist 22 Jahre alt und hat das Potsdamer Leibniz-Gymnasium besucht. Zurzeit studiert er an der Waseda Universität in Tokio.

Für das Orginal Dokument inklusive Foto klicken Sie hier.

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Comments
  1. eli says:

    Ich freu mich für dich 🙂

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