Weltwärts

Posted: August 13, 2011 in Deutsch, Wanderlust
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Potsdamer Neueste Nachrichten 25.06.2008

Schülerzeitung, eigener Sportverein und nun ein Freiwilliges Soziales Jahr in Mexiko: Jan Tzschichhold hat am Leibniz-Gymnasium sein Abi abgelegt

Neun Monate Bund bringen ihn nicht weiter. Die Schülerzeitung des Leibniz-Gymnasiums hat er geleitet, mit seinem Vater einen eigenen Kampfsportverein gegründet und nun sein Abitur bestanden. Was jetzt kommt, ist für Jan Tzschichhold ein Stückchen Neuland. Er nennt es weltwärts gehen, denn ihn zieht es raus aus Potsdam und Bergholz-Rehbrücke, wo in den vergangenen Jahren sein Lebensmittelpunkt gelegen hat. Zwölf Monate lang wird er ein Freiwilliges Soziales Jahr in Mexiko absolvieren – es wird nach dem Abitur seine zweite Reifeprüfung.

Im schwarzen Hemd und einer lockeren Bermuda-Shorts sitzt Jan Tzschichhold im Café und denkt über das nach, was ihn erwartet. Genau weiß er es aber noch nicht, denn wohin es ihn in Mexiko verschlagen wird, steht noch nicht fest. Wie so vieles in seiner Zukunft, die er nicht geplant hat und für die er sich in Mittelamerika Anreize holen will. „Selbstfindungsreise“, nennt der 18-Jährige es. Und sie steht auf seiner „To-do-Liste“ ganz oben.

Vor gut einem halben Jahr hat er sich die Frage gestellt, wie nun weiter. Damals war er Chefredakteur der Schülerzeitung „Therapie“ am Leibniz-Gymnasium und stand kurz vor den Abschlussprüfungen. Mathematik- und Geschichte als Leistungskurse, dazu eine Nachprüfung in Deutsch. Nicht weil er musste, sondern weil er mit dem schriftlichen Ergebnis nicht zufrieden war. Mit dem Thema hatte Tzschichhold Glück: Die Sprache des dritten Reiches war das Thema. Eine gute Kombination für einen Schülerzeitungsredakteur und Geschichtsinteressierten wie ihn. Er hat die Prüfung mit Gut abgeschlossen.

Auch wenn er sich derzeit über die freie Zeit freut und sagt, 13 Jahre Schule sind genug. Es muss endlich weitergehen. So ist er dennoch etwas wehmütig, weil „es eine geile Zeit war“. Erst an der Grundschule in Rehbrücke, dann am Potsdamer Leibniz-Gymnasium. Nun ist es vorbei. Die Abschlussfeier war am vergangenen Samstag, die Zeugnisse hat er bereits zu Hause und nun wird nur noch gefeiert. Erst ein bisschen wegen der Fußball-Europameisterschaft, dann eine Abschiedsparty bevor er abfliegt und noch die Party zum 19. Geburtstag.

Freunde erwähnt Jan Tzschichhold immer wieder, wenn er erzählt. Die werden ihm fehlen, sagt er. Ist sich aber sicher, weitere zu finden. Denn er kennt einige Mexikaner, die in Potsdam ihr Schul-Austauschjahr absolviert haben und die er nun besuchen will, wenn er ab August für zwölf Monate in Mexiko ist. Was er dort machen wird und wo genau er sein wird, dass erfährt er erst in drei oder vier Wochen. Stress macht Jan Tzschichhold sich deswegen nicht, auch nicht wegen der Sicherheitslage in dem Land, wo sich Kartelle derzeit bekriegen und die Sicherheit als nicht besonders hoch eingeschätzt wird.

Zumindest mit der eigenen Sicherheit kennt Jan Tzschichhold sich aus, denn er hat gemeinsam mit seinem Vater Michael einen Sportverein in Bergholz-Rehbrücke und bestreitet Kempo Jitsu. Eine Kampfsportart aus dem hawaiianischen, wie er sagt. Er trainiert junge Talente aus der Region, will dass sie sich zu verteidigen lernen und ordentlich mit ihrem Körper umgehen.

Er ist einer von etwa 1500 Abiturienten in der Region, die in diesem Jahr ihr Abitur absolviert haben. Aus seiner Klasse sind nun viele, die eine Ausbildung anfangen oder zum Studieren ins Ausland gehen, sagt Jan Tzschichhold. Es sei ein Trend, weltwärts zu gehen. Ein Freund geht nach Kolumbien, andere in die Niederlande und nach England, um zu studieren. Er selbst wird nun nach Mexiko gehen, ohne zu wissen wohin und zu wem. Denn noch hat er keinen Einsatzort für sein soziales Engagement. Den bekommt er erst in drei Wochen mitgeteilt, zumindest der Flug ist schon gebucht. Ein selbst bezahlter Flug, denn die Kosten für Unterkunft und Verpflegung werden übernommen und auch ein kleines Taschengeld von 130 Euro monatlich gibt es – ein Kostenfaktor sei das Jahr dennoch. Etwa 300 Euro im Monat müsse er drauflegen, um diese Erfahrung zu sammeln. Und davon wird es sicherlich mehr geben als bei der Bundeswehr.

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