Meine Woche: Mexiko

Posted: August 13, 2011 in Deutsch, Wanderlust
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Potsdamer Neueste Nachrichten 27.11.2008

Eine Stunde Volksmusik. Aber nicht einfach nur Volksmusik. Nein, in einer derartigen Lautstärke, das man verstehen kann, warum die Hauptkonsumenten dieser Musikrichtung alle Hörgeräte brauchen. So beginnt jedes Wochenende meine Pilgerfahrt Richtung Hauptstadt. Aber es ist durchaus die Mühe wert, denn dort erwarten mich Erholung, Partys und was das Wichtigste ist: Süßigkeiten. Auch diesmal konnte ich mich nach drei Tagen Nutella-Naschen, Eis-Schlecken und Kekse-Verspeisen wohlgenährt in den Montag stürzen.

Und mit dem Montag beginnt für mich eine Woche des Unterrichts. Englisch, Deutsch, Kunst, Mathe, Informatik, Kampfkunst, so ziemlich alles ist vertreten. Doch eine Sache ist anders zu den 13 Jahren Schule, die ich bis jetzt hatte. Diesmal bin ich derjenige, der das Wissen vermittelt, die Tests korrigiert und den Unterricht gestaltet. Am Montag hatte ich einen Englischtest mit meinen „Großen“. Und wenn ich „groß“ sage, dann meine ich das auch, denn einige von ihnen sind schon 22 und damit älter als ich. In Informatik habe ich mit den „Kleinen“ hingegen Word behandelt. Und sie können schon ganz alleine eine Seite über Spongebob Schwammkopf erstellen.

Der Unterricht ist jedesmal eine Herausforderung und macht mir meistens richtig Spaß. Nur manchmal hat man wieder so einen kleinen Spezialfall, der einfach nicht das macht, was man sagt. Der einfach nicht weiß, was gut für ihn ist und der sich einfach genau so verhält, wie ich früher in der Schule. Immer wenn ich das realisiere, würde ich am liebsten meine alten Lehrer anrufen und mich für all die rüpelhaften Jahre entschuldigen. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber all diese Lehrer verdienen echt meinen tiefen Respekt. Am Dienstag und Donnerstag habe ich immer mein Lieblingsfach: Deutsch. Hier konzentriere ich mich eher auf die Sprache, so wie ich sie spreche, was zur Folge hat, dass die Lieblingswörter meiner Schüler „Laber nich“ und „Klugscheißer“ sind. Letzte Woche, am Freitag, gab es keinen Unterricht, sondern eine Präsentation über Neonazis in Deutschland. Besonders über dieses Thema möchte ich meine Kids genauer aufklären, da gerade das aktuell und wichtig ist.

Was ich zudem schnell innerhalb meiner zwei Monate hier gelernt habe, ist, dass es das Wichtigste ist, dass dich die Schüler verstehen! Ich glaube, das wäre wesentlich einfacher, wenn ich in Potsdam wäre, doch jedes Mal wenn ich aufwache, stelle ich fest: Du bist ja grade in Mexiko!

Der Potsdamer Jan Tzschichhold ist 19 Jahre alt und arbeitet zur Zeit als so genannter Volenteer in Mexiko.

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